Hauspost n° 4 August/September 2018

Liebe Wein-Freundinnen und -Freunde

Schon wieder ein „Jahrhundertsommer“? Sehen wir kurz mit dem Blick der Winzer darauf: Die Faustregel, wonach die Lese 100 Tage nach der Blüte beginnt, lässt manche deutsche Winzerfamilie ihren Sommerurlaub verschieben. Denn dieses Jahr lagen schon im April die Temperaturen höher als im Hitzerekordjahr 2003. Angefangen mit diesem, um etwa drei Wochen früheren Blütenbeginn, entwickelten sich die Trauben weiter prächtig. Mit den Prognosen für den August allerdings wird Trockenheit manch Winzerinnen und Winzer vor große Herausforderungen stellen. Ältere, tief verwurzelte Rebanlagen sind hier im Vorteil. Unisono rechnet man jedoch mit einem qualitativ überaus guten und ertragreichen Jahr. Im „Herbst“, der Ausreifezeit (diesmal schon ab August), werden wir sehen, was die ersten Fassproben zeigen. Für die Qualität eines Jahrgangs ist immer auch die Witterung zur Weinlesezeit entscheidend: für die nächsten Wochen ab und zu ein ausgiebiger Sommerregen und für die Erntezeit ein trockener Spätsommer …
Um die Vorfreude auf den neuen Jahrgang anzufachen, nehmen wir Sie in dieser Hauspost mit in bedeutende Weinregionen, von denen wir auch vom 2018er viel erwarten. Die Winzer, die wir dafür ausgesucht haben, vertreten nicht nur ihr Anbaugebiet mit den letzten Jahrgängen herausragend – hier haben wir es einfach auch nur (!) mit klasse (Sommer-)Weinen zu tun …
Wir wünschen Ihnen viel Spaß bei der Lektüre
Ihr Wein-Bauer-Team

P.S.: Am 6. August kam aus Rheinhessen die Meldung über die erste Weinernte 2018 in Deutschland!


Die Veranstaltungen

Mediterrane Weinprobe

Spitzenweine & Entdeckungen aus Italien und aus Spanien: Am Freitag, 28. September 2018, um 19.30 Uhr, freuen wir uns auf einen gemeinsamen Abend mit Ihnen und auf folgende Wein-Hochkaräter: Eretico Bianco von Citari (Gardasee), Fontanasanta Manzoni Bianco von Foradori aus dem Trentino, Barolo von Pelassa (Piemont), Emperatriz Terruno aus dem Rioja, Pesquera Reserva aus Ribera del Duero, Vitaroccia Nobile Riserva von Icario aus der Toskana, von dort ebenso der Brunello Ciacci Piccolomini, den Tadeo Cortijo Los Aguilares von den Sierras de Malaga, und wieder aus der Toskana den Ornellaia 2015 sowie aus dem Veneto den Amarone Graal (Figaretto). Kulinarisch stimmig werden wir an diesem Abend von Bernd Genzel vom Waldhäuser Hof in Tübingen begleitet.


Anmeldung erforderlich. Preis, inkl. Menü: € 89,– pro Person.
Die begrenzte Anzahl an Plätzen wird in der Reihenfolge der Anmeldung vergeben. Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass eine Stornierung und Rückerstattung bereits bezahlter Teilnahmegebühren nur bis 7 Tage vor Veranstaltungsbeginn berücksichtigt werden kann. Nach Ablauf dieser Frist ist eine Rückerstattung nicht mehr möglich. 


Die Weine: Weiß

Sommerweine /1: Mitten in der PFALZ

Das zweitgrößte deutsche Weinbaugebiet (nach Rheinhessen) und zweitwärmste (nach Baden) ist bekannt für Weißweine (Rieslinge!), die weniger leicht als die der Mosel sind, dafür kraftvoller, leidenschaftlicher. Das Weingut Bergdolt, Reif & Nett wurde 1838 in Duttweiler mit dem Bau der Sandstein-Gewölbekeller gegründet, die noch immer in Gebrauch sind. Heute wird das Familienweingut in fünfter Generation geführt. Die Region um Neustadt an der Weinstraße gilt als Genuss-Mittelpunkt der Deutschen Weinstraße.


PFALZ: Nicht verpassen!
Scheurebe Qualitätswein trocken, 2017 Weingut Bergdolt, Reif & Nett, Duttweiler
Dass die Scheurebe als unhip gilt – da kann man nur sagen: „Was verpasst!“ Denn die zwar anspruchslose Rebe braucht allerbeste Lagen, um loszugehen wie hier: mit betörendem Duft nach Ananas, Quitte, Limone, grünem Apfel und vor allem Litschi. Am Gaumen ist der Wein dagegen mild und elegant, mit wunderbar mineralischem und feinwürzigem Aroma. Außerdem lädt die prickelnde Fruchtsäure zu jedem Schluck neu ein, da sie die opulente Fruchtfülle fein abfedert. Super gelungen!


Sommerweine /2: Weinland NAHE

Dieses Weinbaugebiet in Rheinland-Pfalz ist eine einzigartige Region mit der größten Bodenvielfalt Deutschlands. Berühmt sind die mineralischen Rieslinge, aber auch Spätburgunder wachsen prächtig. Laura Weber, Önologin, Ex-Nahe-Weinkönigin und „Jungwinzerin des Jahres 2017/18“, zeigt mit ihrem Gutsriesling, welch hohes Potenzial hier steckt – bereits in den überaus preiswerten Basis-Qualitäten! 


NAHE: Unverfälschter Hochgenuss!
Riesling Qualitätswein trocken, 2017 Weingut Udo Weber, Monzingen
Riesling aus Weinlagen in Sobernheim. Ein Riesling, so richtig unverfälscht in der Flasche. Mit Zitrus- und Pfirsichduft, geradlinig und klar, mit Substanz und hoher geschmacklicher Komplexität. Das Weingut Weber wird seit 1991 von Udo und Sabine Weber geführt. In den Weinbergen wird auf 100% Handlese Wert gelegt; sie liegen vor allem in den extremen Monzinger Südsteillagen Frühlingsplätzchen und Halenberg, aber auch in benachbarten Gemeinden. Die Übergabe an Laura Weber läuft – und wie!


Sommerweine /3: WEINVIERTEL (1

Im größten Weinbaugebiet Österreichs wird im Westen vor allem Rotwein, im Süden und Osten eher der Grüne Veltliner angebaut – ideal für das pannonische Klima mit heißen Sommern, sehr kalten Wintern. Die Gschweichers sind Weißwein-Spezialisten, doch: „Ob Grüner Veltliner, Riesling, Burgundersorten oder aromatische Vertreter, die Handschrift des Hauses ist stets stilsicher und schnörkellos.“ (Vinaria, 06/2016)


ÖSTERREICH: Klare Veltliner-Freude!
GrooVee Grüner Veltliner, Weinviertel DAC, 2017. Weingut Gschweicher, Röschitz
Für uns die Entdeckung: Genauer kann man einen Grünen Veltliner kaum treffen! Bei diesem Preis zeigt der „GrooVee“ alles, womit diese Rebsorte begeistern kann: die helle, grün-gelbe Farbe, den frisch-würzigen Duft nach gelben Früchten (v.a. Grapefruit), den feinen Blütenduft. Insgesamt ein sehr einladender Wein mit überraschendem Trinkfluss. Am Gaumen elegant, mineralisch und schön saftig.


Sommerweine /4: Vielfalt aus SÜDTIROL

Seit der italienischen Qualitätsoffensive Ende der 1980er-Jahre ist Südtirol eines der Gebiete mit der höchsten Dichte an Qualitätswinzern. Der Pionier und Wegbereiter für umweltgerechte Bewirtschaftung sowie für biodynamischen Weinbau ist Alois Lageder. Am südlichen Teil der Weinbauregion entlang der Etsch spiegelt Lageder die Vielfalt Südtirols wider, mit klassischen Tiroler Rebsorten genauso wie mit internationalen. So etwa mit dem Chardonnay, der bei uns in vielen Jahren zahlreiche Anhänger gefunden hat.


ITALIEN: Der Geradlinige
Chardonnay, Alto Adige DOC., 2017 Weingut Alois Lageder, Margreid/Südtirol
Die Reben stehen bei Margreid, Kurtatsch, Salurn und Buchholz in 250 bis 500 Metern Höhe auf den typischen schotterigen, sandigen, stark kalkhaltigen Böden – Basis für mineralische Weine. Ein geschmeidiger, frisch-fruchtiger Weißwein (Pfirsich, Melone, Zitrus), leicht blumig mit eben jener mineralischen Note. Mittelgewichtig im Körper, zurückhaltend in der Säure. Trocken ausgebaut. Ein Top-Chardonnay!


Die Weine: Rosé

Sommerweine /5: WEINVIERTEL (2

Auch wenn das Weinviertel bis in die Außenbezirke Wiens reicht – für die Wiener lag es lange weit vom Geschehen und galt als ländlich-verschlafen. Winzer wie die Pfaffls haben es der ganzen Welt und ihrer Metropole nahegebracht. Alle gewichtigen nationalen und internationalen Auszeichnungen ehren heute die Familie, die „aus einer kleinen Landwirtschaft mit Weinbau als Nebenerwerb den mit Abstand wichtigsten und größten Winzerbetrieb des ganzen Weinviertels gemacht hat.“ Österreich-Rotwein Guide, 2016


ÖSTERREICH: „Spielt alle Stückerln!“
Rosé Zweigelt „Hasen“, 2017 Weingut Pfaffl, Stetten/Weinviertel
Eleganter Rosé, der die ausdrucksvolle Fruchtigkeit eines Zweigelt mit raffinierter Spritzigkeit kontert. Schon in der Nase entwickelt sich ein würziges Aroma von Himbeeren und Erdbeeren, im Finale dann ihre volle, runde Frucht auch am Gaumen. Dem Falstaff ist der Rosé 90 Punkte wert. Sehr vergnüglich die Beschreibung des Österreichischen Fachmagazins für Tourismus, Hotellerie und Gastronomie, wo dieser Wein Rosé-Sieger wurde: „Dezente und kühle Art im Duft: Papiernuss, Ribisel und generell rote Beeren, dazu etwas Minze. Von Beginn weg animierend (spielt alle Stückerln), mischt sich zarte Süße mit einer frischen Apfelnote und Himbeeren.“ Gut gekühlt genießen!


Sommerweine /6: An der LOIRE

Menetou-Salon liegt im östlichen Teil der Weinbauregion Loire, der weitläufigsten Frankreichs. Mit knapp 500 Hektar Rebfläche, unterhalb von Sancerre im Département Cher gelegen, ist diese Appellation
eher klein. Die Weinbau-Tradition dort ist sehr alt und durchaus erfolgreich, doch steht sie im Schatten der großen Namen aus der Nachbarschaft, vor allem von Sancerre. Bei unserem Partner Jean Teiller völlig zu Unrecht, wie wir meinen. Sein Sauvignon Blanc nimmt es mit Leichtigkeit mit denen aus Sancerre auf – was uns viele unserer Kunden bestätigt haben. Mit dieser Hauspost bringen wir Ihnen zur Abwechslung den Rosé dieses hervorragenden Weinguts nahe.


FRANKREICH: Unser Geheimtipp-Rosé
Rosé Menetou-Salon A.C., 2017 Domaine Jean Teiller, Menetou-Salon/Loire
Ausnehmend feiner Pinot Noir-Rosé von der Loire. Schön fruchtige Nase mit Noten von Erdbeere, Zitrusfrucht und Pfirsich, knackig im Mund. Gekeltert im Saignée-Verfahren (ohne Pressung). Passt perfekt als Aperitif, aber auch zu Pâtés, gegrilltem Fleisch und scharfen asiatischen Gerichten.


Die Weine: Rot

Sommerweine /7: Herz des LANGUEDOC

Minerve liegt etwa vierzig Kilometer entfernt von Narbonne und Béziers mitten auf einer hoch gelegenen Felseninsel zwischen zwei tief eingeschnittenen Schluchten und ist ein topografisches Ereignis für
sich. Die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht sind größer als im Talbereich und ermöglichen einen langsamen Reifungsprozess der Trauben, der deutlich für Qualitätsgewinnung sorgt. Bis in die 1980er-Jahre war das südfranzösische Languedoc für Massenweine berüchtigt. Das änderte sich mit einer kompletten Umstrukturierung, etwa der des Sortenbestands durch Investitionen aus dem Bordeaux-Gebiet, der Gironde und der Loire (z.B. Cabernet Sauvignon, Merlot). Heute erscheinen die Qualitätsweine unter einer Vielzahl von A.C.-Herkunftsbezeichnungen, und die Region zählt zu den
Hochburgen biologischen Weinbaus in Frankreich.


FRANKREICH: Gedicht aus Südfrankreich
Minervois A.C., „Tradition“, 2016 Domaine Le Cazal, Minerve/Languedoc
Dieser Rotwein ist viel mehr als seinen Preis wert! Aus Carignan, Grenache und Syrah gekeltert, dominieren rote Früchte, besonders Kirsche, gepaart mit würziger Kräuteraromatik; abgerundet wird das Geschmackserlebnis von seidenweicher Tanninstruktur. Einfach ein Gedicht! Das Weingut wurde 1870 von Pierre Derroja aufgekauft, heute führen es die Geschwister Claude und Martine Derroja. Das Alter der Weinberge liegt um die 50 Jahre für die typisch südfranzösischen Sorten Grenache, und mehr als 80 für die Carignan. Ergänzt wird diese herrliche Cuvée durch Syrah: zu einem komplexen, würzigen und fruchtigen Wein.


Sommerweine /8: WEINSBERGER TAL

Östlich von Heilbronn erstreckt sich das Weinsberger Tal etwa 50 Kilometer weit von West nach Ost. Mitten in Affaltrach liegt das ehemalige Schloss des Johanniterordens, das Willy Baumann 1928 von der Gemeinde erwarb. Noch im selben Jahr wurde das Familienweingut, die Schlosskellerei Affaltrach, gegründet. Die ausgezeichnete Lage zwischen Löwensteiner Bergen und Hohenlohe garantiert auch dem Weingut Dr. Baumann außergewöhnliche Weine. Tanja und Marc Baumann begeistern inzwischen mit neuen Ideen die Fachwelt. So auch mit dem Cabernet, der jetzt seine perfekte Trinkreife erreicht hat! 


WÜRTTEMBERG: Kraft & Eleganz
Cuvée Cabernet trocken, 2015 Weingut Dr. Baumann, Obersulm
Internationale Klasse aus Württemberg! Die junge Affaltracher Generation mit Tanja und Marc Baumann konzentriert sich voll auf die Substanz ihrer Weinberge – mit fundierter önologischer Ausbildung, besten Lagen und der Ruhe, die ihnen das Stammhaus gewährt, sich ganz zu vertiefen. Neben einigen Spitzen-Weißweinen ist beiden auch mit dieser Cuvée aus verschiedenen Cabernet-Sorten ein Prachtstück gelungen! Cabernets, die zu den besten Rebsorten überhaupt zählen, fühlen sich inzwischen auch im Ländle wohl. Mit Fülle und Kraft der Trauben wird höchst elegant umgegangen: Feines Kirsch- und Cassis-Aroma in der Nase, ein gut strukturierter, eleganter Körper, der lang und intensiv am Gaumen liegt. Neu bei uns im Programm.


Unser Sommerrezept

Schmeckt vor und nach dem Urlaub wie mittendrin.
Provençalischer Schmortopf „Daube de Boeuf“ mit Kartoffel-Selleriepüree.
Herzhaft köstliches Gericht, das, wenn alles im Topf ist, keine Arbeit mehr macht. Auch das ist Urlaub!

Zutaten: (für 6 Personen)
1 Knoblauchknolle, 3 Schalotten, 5 EL Olivenöl, 6 Wacholderbeeren, 2 Lorbeerblätter, 1 EL schwarze Pfefferkörner, 1 dl Cognac, 50 g getrocknete Steinpilze, 1,6 kg Rinderbacke oder -wade, 2 EL Thymianblätter, 2 l trockener Rotwein. Kartoffel-Selleriepüree: 6 mittelgroße, geschälte Kartoffeln, 1 mittelgroße Sellerie, 50 g Butter, Salz, Muskatnuss, 0,1 l Milch oder Sahne.
Zubereitung:
Gehackten Knoblauch und grob geschnittene Schalotten in 2 EL Öl andünsten. Die Gewürze zufügen, kurz einziehen lassen und mit Cognac ablöschen. Steinpilze und 1/4 l Wasser in den Topf geben und ca. 40 Min. zu konzentriertem Würzsud kochen. Im restlichen Öl das in große Stücke geschnittene Fleisch im großen Schmortopf anbraten, dabei salzen, pfeffern und die Thymianblätter dazwischen streuen. Mit dem Wein aufgießen und den durchgesiebten Würzsud zufügen. Zugedeckt auf kleiner Flamme ca. 3 1/2 h schmoren lassen. Kartoffel-Selleriepüree: Die gekochten Kartoffel und Selleriestücke pürieren, unter Rühren die Butter, Salz, Muskat sowie Sahne (Milch) zugeben.

Der Wein: 2015er Saint-Chinian A.C. von der Domaine La Madura aus dem Languedoc: feine Cuvée aus Grenache, Carignan, Mourvèdre und Syrah.